Wärmepumpe: Informationen für Eigentümer*innen im Mehrfamilienhaus

Klimaverträglichkeit, Komfort und niedrige Energiekosten: Wärmepumpen vereinen diese drei Eigenschaften und machen sie damit auch attraktiv für das Heizen und Kühlen im mehrgeschoßigen Wohnbau.

Was ist beim Einsatz von Wärmepumpen im Neubau zu beachten?

Bei Ein- und Zweifamilienhäusern sind Wärmepumpen im österreichischen Neubau bereits weitverbreitet. Bei großvolumigen Wohnbauten mit mehr als zehn Wohneinheiten besteht allerdings noch großer Aufholbedarf. Dabei ist die Wärmepumpe gerade auch in diesen Bereichen höchst relevant: Neben den niedrigen und langfristig sehr stabilen Betriebskosten ist mit Wärmepumpen eine Temperierung oder Kühlung des Gebäudes mit dem passenden Wärmeabgabesystem ohne zusätzliches Klimasystem möglich.

Dabei ist die richtige Wahl des Wärmeabgabesystems wichtig: Niedertemperaturheizungen wie Fußbodenheizungen oder Niedertemperaturheizkörper bieten besonders gute Voraussetzungen für den effizienten Einsatz von Wärmepumpen. Denn je niedriger die benötigte Vorlauftemperatur ist, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe. Daher müssen der Wärmebedarf und die Auslegung der Anlage vorab genau berechnet werden.

Welche Vorgaben gelten in Wiener Klimaschutz-Gebieten?

In den Wiener Klimaschutz-Gebieten müssen Neubauten mit erneuerbarer Energie oder Fernwärme ausgestattet sein. Damit setzt die Stadt Wien einen wichtigen Meilenstein für eine krisensichere und erneuerbare Energiezukunft. 

Was ist beim Einsatz von Wärmepumpen in Bestandsgebäuden zu beachten?

Wärmepumpen sind als Technologie sehr gut erprobt, robust und effizient. Die Umstellung auf ein Wärmepumpensystem ist jedenfalls eine Überlegung wert. Wichtig ist es, Dienstleister frühzeitig einzubinden und eine Bestandsbegehung durchzuführen. In der Regel können dabei schon die ersten wesentlichen Erkenntnisse hinsichtlich möglicher Aufstellorte, Leitungsführung, Wärmequelle und dem Abgabesystem erlangt werden. Die thermische Sanierung eines Gebäudes ist in den meisten Fällen sinnvoll und sollte in die Überlegungen einbezogen werden. 

  • Wenn es um das Sanieren von Wohngebäuden in Wien geht, ist die Hauskunft die richtige Anlaufstelle: Hauskunft | Die Sanierungsberatung für Häuser mit Zukunft
  • Wie Sie Ihren passenden Dienstleister finden, lesen Sie hier:  Wärmepumpen für Wohngebäude – Dienstleister*innen finden
  • Wie Wärmepumpen für eine zukunftsfähige Wärme- und Kälteversorgung im urbanen Mehrgeschoßwohnbau eingesetzt werden können, lesen Sie in der Nachlese des Marktplatzes „Wärmepumpenlösungen im Geschoßwohnbau“ vom 11. Dezember 2025. Im Mittelpunkt standen technische, organisatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen ebenso wie aktuelle Markt- und Systementwicklungen: Nachlese: Marktplatz Wärmepumpen im Geschoßwohnbau
  • Der Wärmepumpenleitfaden der Stadt Wien unterstützt dabei, die Machbarkeit einer Heizungsumstellung auf Wärmepumpen vorab einzuschätzen: 
Wärmepumpenleitfaden der Stadt Wien

Fragen & Antworten:
Planung, Umsetzung und Betrieb

Planung

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Für den mehrgeschoßigen Wohnbau stehen unterschiedliche zentrale und dezentrale Wärmepumpenlösungen sowie modulare Systemkonzepte zur Verfügung. Je nach Gebäude können sie für die Wärmeversorgung oder für eine kombinierte Wärme- und Kälteversorgung eingesetzt werden.

Welche Lösung geeignet ist, hängt von den technischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Gebäudes ab. Auch eine genaue Inbetriebnahme, eine sachgemäße Wartung, Monitoring und Optimierung des laufenden Betriebs sind entscheidend, um langfristig einen effizienten Betrieb und tatsächliche Energie- und Kosteneinsparungen zu erreichen.

Die Nachlese zum Marktplatz „Wärmepumpenlösungen im Geschoßwohnbau“ gibt einen Überblick über aktuelle Systeme und konkrete Lösungsansätze verschiedener Hersteller:

Nicht immer kann die Wärmeversorgung eines gesamten Wohngebäudes auf einmal umgestellt werden, beispielsweise aus finanziellen oder organisatorischen Gründen. Werden zunächst nur einzelne Wohnungen umgestellt, kann das jedoch spätere zentrale erneuerbare Lösungen erschweren oder verhindern. Dieses Risiko wird als „Lock-in-Effekt“ bezeichnet.

Die Studie „Vermeidung von Lock-in-Effekten bei wohnungsweiser Dekarbonisierung“ der Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ zeigt, wann wohnungsweise Maßnahmen sinnvoll sind und wie sie so umgesetzt werden können, dass eine spätere gebäudeweite Lösung möglich bleibt. Grundsätzlich ist eine gebäudeweite Dekarbonisierung effizienter als die Umstellung einzelner Wohnungen.

Eine wohnungsweise Heizungsumstellung soll nach heutigem Stand der Technik erst dann angedacht werden, wenn sich keine gemeinschaftliche Lösung abzeichnet. Besonders effiziente Lösungen mit Erdsonden oder Grundwasser sind nur für gesamte Gebäude sinnvoll zu errichten.

Wenn in einer Wohnung eine Sanierung ansteht, ist es jedenfalls zielführend, die Niedertemperaturfähigkeit (bis 55°C) durch angepasste Wärmeabgabesysteme herzustellen. Einzellösungen sollten reversibel, schnittstellenoffen und mit dokumentierten Rückbaupfaden ausgeführt werden.

Bei Sanierungen im gesamten Gebäude ist besonders die frühzeitige Sicherung des Platzes für eine Verteilstruktur oder die Ertüchtigung einer bestehenden Verteilinfrastruktur sicherzustellen.

Auch mögliche Barrieren wie Schallschutz, fehlende Aufstell- und Leitungsflächen, Denkmalschutz, Brandschutz oder eine unzureichende elektrische Erschließung sollten frühzeitig berücksichtigt werden.

Die Umstellung auf ein erneuerbares Heizsystem muss nicht immer auf eine umfassende thermische Sanierung folgen. Die Studie „Dekarbonisierung vor thermischer Sanierung?“ untersucht anhand von 30 typischen Wiener Wohngebäuden, unter welchen Voraussetzungen eine Dekarbonisierung bereits vor einer thermischen Sanierung möglich ist und welche Maßnahmen dafür notwendig sind. Im Fokus stehen dabei insbesondere die erforderlichen Vorlauftemperaturen und die Optimierung bestehender Wärmeabgabesysteme.

Gerade im dicht bebauten Stadtgebiet kann es in manchen Fällen schwierig sein, den gesamten Wärmebedarf eines Gebäudes mit nur einer lokalen Umweltwärmequelle zu decken. Multivalente Systeme kombinieren daher mehrere erneuerbare Wärmequellen, etwa Geothermie und Luft, um eine technisch umsetzbare und effiziente Wärmeversorgung zu ermöglichen.

Die Studie „Multivalente Lösungen zur erneuerbaren Wärmeversorgung“ untersucht unterschiedliche Systemvarianten für zwei Bestandswohngebäude. Sie zeigt: Lösungen mit Luft-Wärmepumpen weisen häufig geringere Investitionskosten auf, während ein höherer Geothermieanteil, niedrige Systemtemperaturen und geeignete Formen der Warmwasserbereitung die laufenden Kosten reduzieren können.

Multivalente Systeme bieten mehr Flexibilität und eine höhere Ausfallsicherheit, sind jedoch komplexer in der Regelung und häufig mit höheren Errichtungskosten verbunden. Entscheidend sind daher eine möglichst genaue Ermittlung des Wärmebedarfs, die Vermeidung von Überdimensionierung und eine günstige Anlagenregelung.

Technische Umsetzung

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Wer eine Gas- oder Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt, steht häufig vor der Frage, ob die bestehenden Heizkörper weiterhin genutzt werden können. Entscheidend ist dabei vor allem die erforderliche Vorlauftemperatur: Je niedriger sie ist, desto effizienter kann die Wärmepumpe betrieben werden.

1. Bestehende Heizkörper optimieren

Rund 80 % der Wiener Gebäude nutzen Heizkörper. Etwa 60 % davon werden derzeit mit hohen Vorlauftemperaturen zwischen 60 und 90 °C betrieben. Vorlauftemperaturen von weniger als 55 °C sind im Bestand jedoch häufig auch ohne umfassende Gebäudesanierung erreichbar – vorausgesetzt, die Heizungsanlage wird entsprechend optimiert.

In vielen Fällen kann es notwendig sein, einzelne zu klein dimensionierte Heizkörper gezielt auszutauschen. Dabei müssen nicht automatisch alle Heizkörper eines Gebäudes ersetzt werden: Häufig reicht es aus, jene Heizkörper anzupassen, die bei niedrigeren Vorlauftemperaturen nicht ausreichend Wärme abgeben.

Für die Um- und Nachrüstung des Wärmeabgabesystems steht eine breite Palette an Lösungen zur Verfügung. Diese reicht von der Leistungssteigerung bestehender Heizkörper über den Austausch einzelner Heizkörper bis hin zum Umstieg auf Flächenheizsysteme in Decken, Wänden oder Böden.

2. Wärmeabgabe mit Heizkörperverstärkern erhöhen

Eine vergleichsweise günstige, schnelle und saubere Alternative zum Heizkörpertausch können Heizkörperverstärker darstellen. Sie erhöhen die Wärmeabgabe bestehender Heizkörper und können dadurch dazu beitragen, niedrigere Vorlauftemperaturen zu ermöglichen.

Im Rahmen der Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ wurde erstmals das zu diesem Zeitpunkt noch in Entwicklung befindliche System „Coptimizer“ getestet. Dieser spezielle Heizkörperverstärker arbeitet energieautark und benötigt daher keine externe Stromquelle. Das System wurde in den vergangenen zwei Jahren bis zur Marktreife weiterentwickelt.

3. Anpassungspfade für den Wiener Bestandswohnbau

Eine weitere Studie der Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ untersucht mögliche Anpassungspfade für Wärmeabgabesysteme im Wiener Bestandswohnbau. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die erforderliche Vorlauftemperatur gesenkt und damit ein effizienter Wärmepumpenbetrieb praxisorientiert geplant werden kann.

Untersucht wird ausschließlich die Wärmeabgabe innerhalb der einzelnen Wohneinheiten. Die zentrale Wärmeerzeugung und die Steigleitungen sind nicht Teil der Betrachtung.

Wärmepumpen arbeiten besonders effizient mit niedrigen Vorlauftemperaturen. Die Warmwasserbereitung, vor allem wenn diese zentral erfolgt, benötigt aber höhere Temperaturen, um den Hygieneanforderungen gerecht zu werden und die Legionellenbildung zu unterbinden. Für die Kombination von Wärmepumpen und Warmwasserbereitung gibt es unterschiedliche Lösungen. Dazu zählen unter anderem die Nutzung von eigenem Photovoltaik-Strom, die Rückgewinnung von Wärme aus Abwasser sowie Frischwassersysteme anstelle klassischer Warmwasserspeicher.

Welche Lösung geeignet ist, hängt von den technischen Voraussetzungen und Anforderungen des jeweiligen Gebäudes ab. Die Nachlese zeigt anhand konkreter Wiener Projekte, wie unterschiedliche Systeme in der Praxis umgesetzt werden können:

Beim Ausstieg aus Kochgas ist vor allem zu prüfen, ob die bestehenden Elektroinstallationen die zusätzliche Leistung eines E-Herds sicher abdecken können. Dabei werden sowohl die elektrische Versorgung im Allgemeinbereich des Gebäudes als auch die Installationen innerhalb der einzelnen Wohnungen betrachtet.

Ist bereits ein geeigneter Stromanschluss und Stromkreis vorhanden und entspricht die Elektroinstallation den Anforderungen der Norm, kann der Gasherd demontiert und ein E-Herd angeschlossen werden. Bei veralteten oder mangelhaften Installationen können zusätzliche Leitungen oder im ungünstigsten Fall eine Erneuerung der gesamten Elektroinstallation erforderlich sein.

Die Studie „Raus aus Kochgas“ zeigt die möglichen technischen Lösungswege und stellt einen Entscheidungsbaum zur Einschätzung des Aufwands bereit. Sie macht zudem deutlich, dass geeignete Lösungen vorhanden sind, der tatsächliche Aufwand und die Kosten jedoch stark von der jeweiligen Bestandssituation abhängen.

Betrieb & Optimierung

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Bestehende Heizsysteme lassen sich oft effizienter betreiben und zugleich besser auf den Einsatz erneuerbarer Energien vorbereiten. Wichtige Ansätze sind der hydraulische Abgleich, eine datenbasierte Optimierung und eine verbesserte Regelung der Anlage.

Der Marktplatz „Optimierte Wärmeverteilung – Effizienz steigern, Kosten senken“ zeigt anhand von Fachinputs und Praxisbeispielen, wie sich der Energieverbrauch reduzieren, die Wärme gleichmäßiger verteilen und bestehende Systeme gezielt verbessern lassen:

Mit steigenden Temperaturen wächst auch der Bedarf an klimafreundlicher Kühlung. Gerade in bestehenden Wohngebäuden ist die Nachrüstung jedoch häufig mit technischen und baulichen Herausforderungen verbunden.

Die Veranstaltung „Kühlen ist das neue Heizen – nachhaltige Lösungen für den Bestand“ zeigt, welche erneuerbaren Kühllösungen bereits in der Praxis umgesetzt werden und welche Erfahrungen dabei gesammelt wurden. Im Mittelpunkt stehen konkrete Ansätze für eine effiziente und nachhaltige Kühlung von Bestandsgebäuden:

Beim Umstieg auf eine erneuerbare Wärme- und Kälteversorgung stellt sich die Frage, wie Investitions- und Betriebskosten rechtskonform verrechnet werden können. Maßgeblich sind unter anderem die wohnrechtlichen Bestimmungen, das Heizkostenabrechnungsgesetz und das Energieeffizienzgesetz.

Das Rechtsgutachten „Verrechnung von Wärme- und Kälteversorgungskosten in einem wohnrechtlichen Kontext“ beantwortet häufige Fragen aus der Praxis und unterscheidet zwischen rechtlich gesicherten Regelungen und vertretbaren Lösungen, für die noch keine ausdrückliche Rechtsgrundlage oder gefestigte Rechtsprechung besteht.

Grafisch aufbereitete Fallbeispiele und konkrete Empfehlungen bieten Gebäudeeigentümer*innen, Immobilienverwaltungen und Planenden Orientierung bei der Konzeption, Umsetzung und dem späteren Betrieb erneuerbarer Wärme- und Kältesysteme.

Initiative „100+ Projekte Raus aus Gas“

Es gibt bereits viele Beispiele in Wien die zeigen, wie der Umstieg von Gas auf erneuerbare Energiesysteme abseits der Fernwärme im Bestand gelingen kann. Die Initiative “100+ Projekte Raus aus Gas” holt diese Projekte vor den Vorhang: 

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