Raus aus Gas mit lokalen Wärmenetzen

Lokale Wärme gemeinsam:
Effiziente Wärmeversorgung für dicht bebaute Stadtgebiete

Lokale Wärmenetze sind Rohrleitungssysteme, die mehrere benachbarte Gebäude mit Wärme versorgen und dafür lokal verfügbare erneuerbare Energie (beispielsweise Erdwärme) nutzen. In Stadtgebieten außerhalb des fernwärmeversorgten Gebiets können sie eine sinnvolle Lösung der nachhaltigen und leistbaren Wärmeversorgung für Wien sein.

Diese Gebiete sind im Wiener Wärmeplan 2040 als „Lokale Wärme gemeinsam“-Gebiete ausgewiesen und zeichnen sich durch ausreichend hohe Wärmebedarfsdichten aus. Sie können geplant und umgesetzt werden, wenn ausreichend Bedarf und Interesse an einer gemeinschaftlichen Wärmeversorgung im Quartier, im Grätzl, in der Straße oder in der Nachbarschaft besteht.

Die Gebiete „Lokale Wärme gemeinsam“ im Wiener Wärmeplan 2040 (Quelle: Stadt Wien – Energieplanung)

Warum lokale Wärmenetze?

Lokale Wärmenetze können dort zum Einsatz kommen, wo der Ausbau der Fernwärme aufgrund technischer und wirtschaftlicher Grenzen nicht möglich ist oder wo für erneuerbare Einzellösungen nicht ausreichend Platz vorhanden ist. Diese Gebiete sind im Wiener Wärmeplan 2040 als „Lokale Wärme gemeinsam“-Gebiete ausgewiesen: Hier ist die Wärmebedarfsdichte ausreichend hoch für eine Netzlösung, gleichzeitig reichen die erneuerbaren Potenziale auf den einzelnen Liegenschaften oft nicht aus, um den Bedarf alleine zu decken.

Hier können gemeinschaftliche Lösungen zur nachbarschaftlichen Wärmeversorgung sinnvoll sein: kleinere, lokale Wärmenetze, die mehrere Gebäude verbinden und mit erneuerbaren Energien betrieben werden.

Was sind lokale Wärmenetze?

Lokale Wärmenetze versorgen benachbarte Gebäude gemeinschaftlich mit Wärme. Sie ermöglichen die gemeinschaftliche Nutzung erneuerbarer Energiequellen, Abwärme und Wärmespeicher – etwa durch Erdwärmesonden oder andere lokale Quellen. Die notwendige Wärme wird über zentrale Wärmepumpen im Gebiet oder durch einzelne Wärmepumpen in den angeschlossenen Gebäuden erzeugt.

Solche Netze können in Größe und technischer Ausgestaltung variieren, je nach Bedarf und örtlichen Gegebenheiten. Sie arbeiten mit unterschiedlichen Temperaturniveaus und können untereinander oder mit bestehenden Fernwärmenetzen verbunden werden.

Wie können sie realisiert werden?

Die Wahl eines passenden Betreibermodells ist oft eine zentrale Herausforderung bei der Umsetzung lokaler Wärmenetze. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: So können etwa mehrere Liegenschaften kooperativ zusammenarbeiten oder ein externer Dienstleister übernimmt den Betrieb, bspw. im Rahmen eines Contracting-Modells.

Wie können benachbarte Liegenschaften gemeinsam versorgt werden?

Wenn mehrere Liegenschaften gemeinsam mit erneuerbarer Wärme und Kälte versorgt werden, entstehen langfristige technische, rechtliche und wirtschaftliche Verbindungen. Daher müssen die Zusammenarbeit und die Verantwortlichkeiten zwischen den Beteiligten klar geregelt werden.

Das Rechtsgutachten „Liegenschaftsübergreifende Wärme und Kälte aus nicht-fossilen Anlagen“ zeigt, welche Organisationsformen möglich sind und welche Regelungen für Errichtung, Betrieb, Kostenaufteilung, Abrechnung, Leitungsführung und mögliche Ausstiegsszenarien erforderlich sind. Berücksichtigt werden unterschiedliche Eigentumsformen, die Einbindung von Mieter*innen sowie die Zusammenarbeit mit externen Betreiber*innen.

Auch Eigentümer*innenwechsel, die langfristige Absicherung der Versorgung und die Leitungsführung über öffentliche Flächen werden behandelt. Das Gutachten unterstützt Liegenschaftseigentümer*innen, Hausverwaltungen und potenzielle Betreiber*innen bei der Planung und Umsetzung gemeinsamer Versorgungslösungen.

Rechtsgutachten zum DownloadNachlese: Präsentation mit Aufzeichnung

Beispiele für lokale Wärmenetze 

Lokales Wärmenetz mit Energiezentrale 

Ein Modell für lokale Wärmenetze ist das Wärmenetz mit Energiezentrale. Es handelt sich dabei um ein gebäudeübergreifendes Niedertemperaturnetz, das von einer Energiezentrale zu den angeschlossenen Gebäuden geführt wird. Die Wärme wird in der Zentrale erzeugt, beispielsweise mithilfe von Großwärmepumpen, Solarthermieanlagen oder Biomassekesseln.

Die Netztemperatur liegt typischerweise zwischen 40 und 60 °C. Die exakte Temperatur hängt unter anderem von der Art der Warmwasserbereitung ab: Wird Warmwasser zentral im Gebäude bereitgestellt, sind meist Temperaturen um 60 °C erforderlich. Erfolgt die Warmwasserbereitung hingegen dezentral in jeder Wohneinheit, reicht in vielen Fällen auch ein Temperaturbereich zwischen 40 und 60 °C aus.

Anergienetz 

Eine besondere Form des lokalen Wärmenetzes ist das sogenannte „Anergienetz“, auch bekannt als kaltes Nah- oder Fernwärmenetz. Anergienetze nutzen Umweltwärme aus dem Grundwasser, dem Erdreich, Solarkollektoren, Abwärme oder Umgebungswärme – also Quellen, die direkt vor Ort verfügbar sind. Das Besondere an Anergienetzen ist ihr niedriges Temperaturniveau: Mit Netztemperaturen von rund 10 bis 25 °C arbeiten sie deutlich kühler als herkömmliche Fernwärmesysteme. Dadurch werden Wärmeverluste minimiert und auch ein Kühlen der Gebäude ermöglicht.

Denn: Anders als bei klassischen Fernwärmenetzen wird die Wärme erst in den angeschlossenen Gebäuden mittels Wärmepumpe auf das für Heizung und Warmwasser benötigte Niveau angehoben. So können unterschiedliche Nutzer*innen – etwa Wohnungen, Büros oder Gewerbeflächen – gleichzeitig und unabhängig voneinander heizen oder kühlen.

Damit bieten Anergienetze nicht nur Lösungen für den steigenden Kühlbedarf im mehrgeschoßigen Bestandswohnbau, sondern es macht sie auch attraktiv für gemischt genutzte Quartiere oder Neubaugebiete.


Beispiele:  

Wo können lokale Wärmenetze umgesetzt werden?

Lokale Wärmenetze können in unterschiedlichen Gebäudestrukturen und Eigentumskonstellationen zum Einsatz kommen. Studien der Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ zeigen anhand konkreter Wiener Beispiele, welche technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Voraussetzungen dabei zu beachten sind:

Sind lokale Wärmenetze für Kleingartenvereine realisierbar?

In Wien gibt es mehr als 250 Kleingartenvereine mit insgesamt rund 36.000 Gebäuden, von denen etwa zwei Drittel ganzjährig bewohnt werden. Für individuelle Lösungen wie Erdsonden oder Grundwasserbrunnen fehlt auf den einzelnen Parzellen jedoch häufig der notwendige Platz. Gemeinschaftliche Wärmenetze können daher eine Alternative für den Umstieg auf eine fossilfreie Wärmeversorgung sein.

Die Studie „Raus aus Gas für Kleingärten“ untersucht mögliche Versorgungslösungen und vergleicht deren technische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Am Beispiel des Kleingartenvereins Kagran werden konkrete Optionen betrachtet und Empfehlungen abgeleitet, die auch auf andere Wiener Kleingartenvereine übertragbar sein können.

Die Untersuchung wurde 2024 erstellt. Die darin berücksichtigte Fördersituation wurde mit Stand Februar 2025 aktualisiert.

Studie zum Download

Wie können Siedlungen in Schutzzonen auf eine fossilfreie Wärmeversorgung umgestellt werden?

Einfamilienhaus- und Reihenhaussiedlungen liegen häufig außerhalb der Fernwärmegebiete und werden noch mit Gas beheizt. Besondere bauliche Rahmenbedingungen, unterschiedliche Eigentumsverhältnisse sowie Vorgaben in Schutzzonen oder im Denkmalschutz können die Umstellung zusätzlich erschweren.

Eine Studie der Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ untersucht anhand von drei Wiener Siedlungen unterschiedliche Lösungen für eine fossilfreie Wärmeversorgung. Betrachtet werden individuelle Systeme wie Luft- oder ebenso wie gemeinschaftliche Anergie- und Niedertemperatur-Wärmenetze. Auch mögliche thermische Sanierungsmaßnahmen, Kosten und Umsetzungsmodelle werden bewertet.

Die Ergebnisse zeigen: Individuelle Lösungen sind häufig einfacher und zunächst kostengünstiger. Gemeinschaftliche Systeme können durch Förderungen, niedrigere Betriebskosten und Skaleneffekte Vorteile bieten, erfordern aber klare organisatorische und rechtliche Strukturen. Gerade bei vielen privaten Eigentümer*innen sind Abstimmung und Projektorganisation wesentliche Erfolgsfaktoren.

Studie zum DownloadNachlese: Studienpräsentation mit AufzeichnungNachlese: Lokale Wärmenetze als Teil der Wärmewende in Wien


Die Klima- und Innovationsagentur als Anlaufstelle für lokale Wärmenetze

Möchten Sie in Ihrer Nachbarschaft ein lokales Wärmenetz starten oder sich zu diesem Thema informieren? Die Klima- und Innovationsagentur Wien ist Ihre erste Anlaufstelle für Initiativen rund um lokale Wärmenetze in Wien.

Wir bieten:

  • Ersteinschätzung für Hauseigentümer*innen und Bauträger: Information, Orientierungsberatung und erste grobe Analysen zur Umsetzbarkeit von Wärmenetzen
  • Hinweise auf Fördermöglichkeiten und Unterstützung: Beratung zu finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten und aktuellen Förderprogrammen
  • Vernetzung und Erfahrungsaustausch: Plattform für den Austausch von Eigentümer*innen, Bauträgern und Expert*innen, um voneinander zu lernen

 

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