Stromteilen in der Nachbarschaft

NachbarschaftReduziertes Linien-Icon mit drei weiß gefüllten Häusern und transparentem Außenbereich.

Was ist gemeinsame Energienutzung?

Bei der gemeinsamen Energienutzung in der Nachbarschaft wird Strom aus erneuerbaren Quellen – etwa aus Photovoltaik-Anlagen – über mehrere Gebäude hinweg geteilt. Teilnehmer:innen können sowohl Strom erzeugen als auch nutzen. Wird der Strom innerhalb eines definierten regionalen Bereichs verbraucht (Transformatorstation oder Umspannwerk), entfallen Netzgebühren und Abgaben teilweise.

Vorteile

Die gemeinsame Energienutzung in der Nachbarschaft bietet wirtschaftliche, ökologische und soziale Vorteile. Teilnehmer:innen profitieren von günstigeren und stabileren Strompreisen, da Energie innerhalb der Gemeinschaft zu eigenen Bedingungen gehandelt wird und reduzierte Netzentgelte sowie geringere Abgaben anfallen. Gleichzeitig wird der Ausbau erneuerbarer Energien gefördert und vorhandene Flächen – etwa Dächer in der Stadt – effizient genutzt. Darüber hinaus stärkt die Zusammenarbeit in Energiegemeinschaften die Vernetzung im Grätzl und kann den sozialen Zusammenhalt sowie weitere gemeinschaftliche Initiativen unterstützen.

Umsetzungsmodelle

Für die Umsetzung stehen zwei grundlegende Modelle zur Verfügung:

Energiegemeinschaften (EG):

Bei einer Energiegemeinschaft handelt es sich um eine organisierte Gemeinschaft von Teilnehmer:innen. Die Energie wird gemeinschaftlich erzeugt und über einen definierten Aufteilungsschlüssel verteilt. Als Organisationsform ist vom Verein bis zur Kapitalgesellschaft vieles möglich, allerdings stehen der regionale Nutzen und die Vorteile der Mitglieder im Vordergrund. Der Hauptzweck von Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften liegt nicht im finanziellen Gewinn, dies muss in den Statuten verankert sein oder sich aus der Organisationsform der Energiegemeinschaft ergeben.

Grundsätzlich unterscheiden sich zwei Formen von EGs. Während Erneuerbare-Energiegemeinschaften die Teilnahme von Großunternehmen ausschließen, erlauben Bürgerenergiegemeinschaften diese.

Peer-to-Peer (P2P):

Bei P2P handelt es sich um Direktverträge zwischen einzelnen Teilnehmer:innen, bei denen Strom individuell zwischen Erzeuger:innen und Verbraucher:innen gehandelt wird. Weiter ist es möglich mehrere Erzeuger*innen und Verbraucher*innen zu verbinden.

Beide Modelle unterscheiden sich vor allem in Organisation, Abrechnung und Flexibilität.

Reduktion der Netzgebühren

Wird Energie zwischen Teilnehmenden an der selben Transformatorstation (Netzebene 6 und 7) oder am selben Umspannwerk (Netzebene 4 und 5) geteilt, ermöglichen alle Modelle wirtschaftliche Vorteile. Für P2P sowie BEGs sind diese Einsparungen ab dem 01.01.2027 möglich.

Für Strom, der innerhalb der EEG erzeugt, zugeteilt und verbraucht wird, reduziert sich der arbeitsbezogene Teil des Netznutzungsentgelts wie folgt:

  • Transformatorstation: 57 % Ermäßigung auf den Netzebenen 6 und 7
  • Umspannwerk: 28 % Ermäßigung auf den Netzebenen 6 und 7 sowie 64 % auf den Netzebenen 4 und 5

Zusätzlich entfallen für den innerhalb der EEG genutzten Strom die Elektrizitätsabgabe sowie der Erneuerbaren-Förderbeitrag. 

Insgesamt ergeben sich somit in Wien folgenden Einsparungen:

  • Transformatorstation: 5,64 ct/kWh
  • Umspannwerk: 3,21 ct/kWh

Hinweis: Die Reduktion des Netznutzungsentgeltes ist nur möglich, wenn alle teilnehmenden Zählpunkte auf der selben Netzebene angeschlossen sind. Das bedeutet, dass sobald ein Zählpunkt nicht mehr an der selben Transformatorstation angeschlossen ist, der gesamte geteilte Strom mit den Vergünstigungen für Netzebene 4 und 5 genutzt wird. 

Was ab 5.10.2026 möglich ist

Die Neuerungen durch das ElWG werden schrittweise implementiert. So wird ab 5.10.2026 die Nutzung von Peer-to-Peer Verträgen sowie Eigenversorgungsanlagen innerhalb eines Konzessionsgebietes eines Netzbetreibers möglich sein. In Wien können Sie so ab 5.10.2026 den Strom im Netzgebiet der Wiener Netze durch diese Modelle teilen.

Ab diesem Zeitraum können somit auch durch Erneuerbare Energiegemeinschaften Strom im Netzgebiet der Wiener Netze verbraucht werden. Allerdings entfallen die Reduktionen der Netzentgelte, wenn der Strom nicht ausschließlich mit Mitgliedern im Nahebereich 4 & 5  (Umspannwerk) geteilt wird. 

Ab April 2027 wird es möglich sein den Strom österreichweit über Peer-to-Peer und Eigenversorgungsanlage zu teilen.

Mehr Informationen finden Sie hier.

Gemeinsame Energienutzung – Welches Modell passt?

Ein Peer-to-Peer-Modell ist besonders dann sinnvoll, wenn gezielt einzelne Erzeuger:innen und Verbraucher:innen miteinander verbunden werden sollen und individuelle Vereinbarungen im Vordergrund stehen. Ein typischer Anwendungsfall ist beispielsweise ein Gebäude mit Photovoltaik-Anlage, das Strom direkt an ein benachbartes Gebäude oder einen Betrieb liefert. Auch für kleinere, klar abgegrenzte Konstellationen mit wenigen Beteiligten eignet sich dieses Modell gut.

Erneuerbare- und Bürger-Energiegemeinschaften hingegen sind vor allem dann sinnvoll, wenn mehrere Teilnehmer:innen in einem Grätzl gemeinsam organisiert Strom erzeugen und nutzen möchten. Typische Beispiele sind mehrere Wohngebäude, ein Quartier oder eine Mischung aus Haushalten und Betrieben, die gemeinsam eine oder mehrere Anlagen betreiben. Hier steht eine strukturierte, langfristige Lösung mit klaren Regeln und gemeinsamer Organisation im Vordergrund.

Modell Sinnvoll, wenn … Beispiel
Peer-to-Peer Individuelle Vereinbarungen zwischen einzelnen Teilnehmer:innen gewünscht sind und flexible Strombeziehungen im Vordergrund stehen. Teilen von wenigen Standorten in der unmittelbaren Nachbarschaft.
Energiegemeinschaft Eine strukturierte, gemeinschaftliche Lösung mit mehreren Teilnehmer:innen und klaren organisatorischen Rahmenbedingungen angestrebt wird. Gemeinsame Nutzung von lokal erzeugtem Strom durch mehrere Haushalte oder Betriebe.

Umsetzung

Die Umsetzung erfolgt je nach gewähltem Modell in mehreren Schritten, wobei bei Peer-to-Peer und EVA keine Organisationsform notwendig ist.

  1. Zunächst wird festgelegt, welches Modell am besten zur jeweiligen Situation passt und wie die Organisation aufgebaut ist – etwa in Form eines Vereins bei einer EG oder durch direkte Vertragsbeziehungen bei einem Peer-to-Peer-Modell.
  2. Anschließend werden die notwendigen Vereinbarungen zwischen den Teilnehmer*innen getroffen, insbesondere zur Aufteilung, Nutzung und Abrechnung des Stroms. Dazu stehen Ihnen Musterverträge zur Verfügung.
  3. Im nächsten Schritt erfolgt die technische Umsetzung in Abstimmung mit den Wiener Netzen. Diese sind für die Messung und Zuordnung der Energiemengen verantwortlich. Hierzu ist eine Anmeldung bei ebUtilities, EDA und ein Vertragsabschluss mit den Wiener Netzen notwendig, um die eigenständige Abrechnung zu ermöglichen.
  4. Zählpunkte können über das EDA Portal der Gemeinschaft hinzugefügt werden. Die Zählpunkteigentümer*innen müssen in einem letzten Schritt über das Smart Meter Portal der Teilnahme zustimmen.

Weitere Informationen zum detaillierten Umsetzungsprozess bei den Wiener Netzen der einzelnen Modelle finden Sie hier.

Grundsätzlich sollten Sie sich bewusst sein, ob der Aufwand der Gründung und des Betriebs des Modells innerhalb der Gemeinschaft liegen oder durch einen externen Dienstleister übernommen werden soll. Eine Liste an Dienstleistern finden Sie hier.

6 Schritte zur Anmeldung bei den Wiener Netzen

Grundsätzlich sollten Sie sich bewusst sein, ob der Aufwand der Gründung und des Betriebs des Modells innerhalb der Gemeinschaft liegen oder durch einen externen Dienstleister übernommen werden soll. Eine Liste an Dienstleistern finden Sie hier.

Best Practice Beispiele

Initiativen in Ihrer Umgebung finden

Auf der Plattform Strom verbindet können Sie überprüfen, ob es bereits Initiativen in Ihrer Umgebung gibt, denen Sie beitreten können.

Community bestehender Energiegemeinschaften in Wien

Die Community bestehender Energiegemeinschaften trifft sich regelmäßig, um sich über relevante Fragestellungen und aktuelle Änderungen auszutauschen. So können Initiator*innen und Teilnehmende Wissen teilen und voneinander lernen.
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