Hausverwaltungen spielen eine zentrale Rolle beim Umstieg auf erneuerbare Energieträger in Mehrfamilienhäusern. Sie sind für Eigentümer*innen und Mieter*innen oft die erste Anlaufstelle bei Fragen und Anliegen rund um die Energiewende.
Die Entscheidung, ob ein Mehrparteienhaus auf eine Wärmepumpe umrüstet, trifft zwar nicht die Hausverwaltung. Ihr kommt aber eine Schlüsselrolle bei Information, Beschaffung der notwendigen Mehrheitsbeschlüsse und Umsetzung zu.
Die Klima- und Innovationsagentur der Stadt Wien bietet Hausverwaltungen dabei vielfältige Unterstützung:
Unser Unterstützungsangebot für Hausverwaltungen
- In einem Grundlagen-Check analysieren wir die baulichen Voraussetzungen Ihrer Immobilien. Sind die baulichen Voraussetzungen dafür gegeben, begleiten wir Sie beim Planungsprozess. Einen Überblick über die wichtigsten Schritte dabei gibt unser Infosheet.
- Wir analysieren für Sie, welche Wärmepumpentechnologie für Ihr Projekt in Frage kommt und unterstützen Sie im Entscheidungsprozess. Eine Hilfestellung zur Beurteilung der Machbarkeit einer Umstellung bietet der Wärmepumpenleitfaden der Stadt Wien:
- Wir nehmen gerne an Hausversammlungen teil, um die Eigentümer*innen und Bewohner*innen vollumfänglich über Möglichkeiten, Wege und Kosten von Wärmepumpenlösungen zu informieren. Damit unterstützen wir bei der Entscheidungsfindung.
- Wir informieren umfassend, wessen Zustimmung zu welchen Projekten erforderlich ist. Informationen dazu gibt es im Merkblatt der Stadt Wien sowie in unserem Verfahrenshandbuch zu Wärmepumpen:
Fragen & Antworten:
Planung, Umsetzung und Betrieb
Planung
Welche Wärmepumpenlösungen gibt es für den mehrgeschoßigen Wohnbau?
Für den mehrgeschoßigen Wohnbau stehen unterschiedliche zentrale und dezentrale Wärmepumpenlösungen sowie modulare Systemkonzepte zur Verfügung. Je nach Gebäude können sie für die Wärmeversorgung oder für eine kombinierte Wärme- und Kälteversorgung eingesetzt werden.
Welche Lösung geeignet ist, hängt von den technischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Gebäudes ab. Auch eine genaue Inbetriebnahme, eine sachgemäße Wartung, Monitoring und Optimierung des laufenden Betriebs sind entscheidend, um langfristig einen effizienten Betrieb und tatsächliche Energie- und Kosteneinsparungen zu erreichen.
Die Nachlese zum Marktplatz „Wärmepumpenlösungen im Geschoßwohnbau“ gibt einen Überblick über aktuelle Systeme und konkrete Lösungsansätze verschiedener Hersteller:
Wie lässt sich die Heizungsumstellung schrittweise und ohne Lock-in-Effekte planen?
Nicht immer kann die Wärmeversorgung eines gesamten Wohngebäudes auf einmal umgestellt werden, beispielsweise aus finanziellen oder organisatorischen Gründen. Werden zunächst nur einzelne Wohnungen umgestellt, kann das jedoch spätere zentrale erneuerbare Lösungen erschweren oder verhindern. Dieses Risiko wird als „Lock-in-Effekt“ bezeichnet.
Die Studie „Vermeidung von Lock-in-Effekten bei wohnungsweiser Dekarbonisierung“ der Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ zeigt, wann wohnungsweise Maßnahmen sinnvoll sind und wie sie so umgesetzt werden können, dass eine spätere gebäudeweite Lösung möglich bleibt. Grundsätzlich ist eine gebäudeweite Dekarbonisierung effizienter als die Umstellung einzelner Wohnungen.
Eine wohnungsweise Heizungsumstellung soll nach heutigem Stand der Technik erst dann angedacht werden, wenn sich keine gemeinschaftliche Lösung abzeichnet. Besonders effiziente Lösungen mit Erdsonden oder Grundwasser sind nur für gesamte Gebäude sinnvoll zu errichten.
Wenn in einer Wohnung eine Sanierung ansteht, ist es jedenfalls zielführend, die Niedertemperaturfähigkeit (bis 55°C) durch angepasste Wärmeabgabesysteme herzustellen. Einzellösungen sollten reversibel, schnittstellenoffen und mit dokumentierten Rückbaupfaden ausgeführt werden.
Bei Sanierungen im gesamten Gebäude ist besonders die frühzeitige Sicherung des Platzes für eine Verteilstruktur oder die Ertüchtigung einer bestehenden Verteilinfrastruktur sicherzustellen.
Auch mögliche Barrieren wie Schallschutz, fehlende Aufstell- und Leitungsflächen, Denkmalschutz, Brandschutz oder eine unzureichende elektrische Erschließung sollten frühzeitig berücksichtigt werden.
Muss vor einer Umstellung auf ein erneuerbares Heizsystem zwingend thermisch saniert werden?
Die Umstellung auf ein erneuerbares Heizsystem muss nicht immer auf eine umfassende thermische Sanierung folgen. Die Studie „Dekarbonisierung vor thermischer Sanierung?“ untersucht anhand von 30 typischen Wiener Wohngebäuden, unter welchen Voraussetzungen eine Dekarbonisierung bereits vor einer thermischen Sanierung möglich ist und welche Maßnahmen dafür notwendig sind. Im Fokus stehen dabei insbesondere die erforderlichen Vorlauftemperaturen und die Optimierung bestehender Wärmeabgabesysteme.
Wann sind multivalente Wärmepumpensysteme sinnvoll?
Gerade im dicht bebauten Stadtgebiet kann es in manchen Fällen schwierig sein, den gesamten Wärmebedarf eines Gebäudes mit nur einer lokalen Umweltwärmequelle zu decken. Multivalente Systeme kombinieren daher mehrere erneuerbare Wärmequellen, etwa Geothermie und Luft, um eine technisch umsetzbare und effiziente Wärmeversorgung zu ermöglichen.
Die Studie „Multivalente Lösungen zur erneuerbaren Wärmeversorgung“ untersucht unterschiedliche Systemvarianten für zwei Bestandswohngebäude. Sie zeigt: Lösungen mit Luft-Wärmepumpen weisen häufig geringere Investitionskosten auf, während ein höherer Geothermieanteil, niedrige Systemtemperaturen und geeignete Formen der Warmwasserbereitung die laufenden Kosten reduzieren können.
Multivalente Systeme bieten mehr Flexibilität und eine höhere Ausfallsicherheit, sind jedoch komplexer in der Regelung und häufig mit höheren Errichtungskosten verbunden. Entscheidend sind daher eine möglichst genaue Ermittlung des Wärmebedarfs, die Vermeidung von Überdimensionierung und eine günstige Anlagenregelung.
Was ist bei der Willensbildung zur Heizungsumstellung im Wohnungseigentum zu beachten?
Der Umstieg auf eine zentrale fossilfreie Wärmeversorgung erfordert in Wohnungseigentumsgemeinschaften klare und rechtssichere Entscheidungsprozesse. Zustimmungserfordernisse, unterschiedliche Interessen der Eigentümer*innen und die Abgrenzung zwischen ordentlicher und außerordentlicher Verwaltung können die Planung und Umsetzung erschweren.
Die gutachterliche Stellungnahme „Willensbildung zur Umsetzung der Dekarbonisierung im Wohnungseigentum“ untersucht, wie die Dekarbonisierung von Wohngebäuden im Wohnungseigentum rechtlich und organisatorisch umgesetzt werden kann. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Wohnungseigentümergemeinschaften rechtssicher Entscheidungen über den Ausstieg aus fossilen Heizsystemen und die Umstellung auf klimafreundliche Energieversorgung treffen können.
Ziel des Gutachtens ist es, die bestehenden rechtlichen und organisatorischen Hürden bei der Umsetzung solcher Projekte zu klären und insbesondere Wohnungseigentümergemeinschaften und Hausverwaltungen konkrete, praxistaugliche Orientierung für eine rechtssichere und möglichst effiziente Umsetzung von Dekarbonisierungsmaßnahmen zu geben.
Wie der Umstieg in der Praxis gelingen kann, zeigt ein Video mit Vertreter*innen von vier Wohnungseigentumsgemeinschaften in Wien. Sie berichten, wie sie trotz unterschiedlicher Bedürfnisse und gemeinsam zu treffenden Entscheidungen den Weg „Raus aus Gas“ gegangen sind.
Ein eigener Leitfaden unterstützt Wohnungseigentümer*innen beim Umstieg auf eine erneuerbare Wärmeversorgung. Er kann auch Hausverwaltungen dabei helfen, Fragen von Eigentümer*innen zu beantworten und den Entscheidungsprozess zu begleiten.
Technische Umsetzung
Wie können Heizkörper angepasst oder neue Wärmeabgabesysteme nachgerüstet werden?
Wer eine Gas- oder Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt, steht häufig vor der Frage, ob die bestehenden Heizkörper weiterhin genutzt werden können. Entscheidend ist dabei vor allem die erforderliche Vorlauftemperatur: Je niedriger sie ist, desto effizienter kann die Wärmepumpe betrieben werden.
1. Bestehende Heizkörper optimieren
Rund 80 % der Wiener Gebäude nutzen Heizkörper. Etwa 60 % davon werden derzeit mit hohen Vorlauftemperaturen zwischen 60 und 90 °C betrieben. Vorlauftemperaturen von weniger als 55 °C sind im Bestand jedoch häufig auch ohne umfassende Gebäudesanierung erreichbar – vorausgesetzt, die Heizungsanlage wird entsprechend optimiert.
In vielen Fällen kann es notwendig sein, einzelne zu klein dimensionierte Heizkörper gezielt auszutauschen. Dabei müssen nicht automatisch alle Heizkörper eines Gebäudes ersetzt werden: Häufig reicht es aus, jene Heizkörper anzupassen, die bei niedrigeren Vorlauftemperaturen nicht ausreichend Wärme abgeben.
Für die Um- und Nachrüstung des Wärmeabgabesystems steht eine breite Palette an Lösungen zur Verfügung. Diese reicht von der Leistungssteigerung bestehender Heizkörper über den Austausch einzelner Heizkörper bis hin zum Umstieg auf Flächenheizsysteme in Decken, Wänden oder Böden.
2. Wärmeabgabe mit Heizkörperverstärkern erhöhen
Eine vergleichsweise günstige, schnelle und saubere Alternative zum Heizkörpertausch können Heizkörperverstärker darstellen. Sie erhöhen die Wärmeabgabe bestehender Heizkörper und können dadurch dazu beitragen, niedrigere Vorlauftemperaturen zu ermöglichen.
Im Rahmen der Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ wurde erstmals das zu diesem Zeitpunkt noch in Entwicklung befindliche System „Coptimizer“ getestet. Dieser spezielle Heizkörperverstärker arbeitet energieautark und benötigt daher keine externe Stromquelle. Das System wurde in den vergangenen zwei Jahren bis zur Marktreife weiterentwickelt.
3. Anpassungspfade für den Wiener Bestandswohnbau
Eine weitere Studie der Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ untersucht mögliche Anpassungspfade für Wärmeabgabesysteme im Wiener Bestandswohnbau. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die erforderliche Vorlauftemperatur gesenkt und damit ein effizienter Wärmepumpenbetrieb praxisorientiert geplant werden kann.
Untersucht wird ausschließlich die Wärmeabgabe innerhalb der einzelnen Wohneinheiten. Die zentrale Wärmeerzeugung und die Steigleitungen sind nicht Teil der Betrachtung.
Was ist bei der Warmwasserbereitung mit Wärmepumpen zu beachten?
Wärmepumpen arbeiten besonders effizient mit niedrigen Vorlauftemperaturen. Die Warmwasserbereitung, vor allem wenn diese zentral erfolgt, benötigt aber höhere Temperaturen, um den Hygieneanforderungen gerecht zu werden und die Legionellenbildung zu unterbinden. Für die Kombination von Wärmepumpen und Warmwasserbereitung gibt es unterschiedliche Lösungen. Dazu zählen unter anderem die Nutzung von eigenem Photovoltaik-Strom, die Rückgewinnung von Wärme aus Abwasser sowie Frischwassersysteme anstelle klassischer Warmwasserspeicher.
Welche Lösung geeignet ist, hängt von den technischen Voraussetzungen und Anforderungen des jeweiligen Gebäudes ab. Die Nachlese zeigt anhand konkreter Wiener Projekte, wie unterschiedliche Systeme in der Praxis umgesetzt werden können:
Wie gelingt eine Umstellung von Gas- auf Elektroherde?
Beim Ausstieg aus Kochgas ist vor allem zu prüfen, ob die bestehenden Elektroinstallationen die zusätzliche Leistung eines E-Herds sicher abdecken können. Dabei werden sowohl die elektrische Versorgung im Allgemeinbereich des Gebäudes als auch die Installationen innerhalb der einzelnen Wohnungen betrachtet.
Ist bereits ein geeigneter Stromanschluss und Stromkreis vorhanden und entspricht die Elektroinstallation den Anforderungen der Norm, kann der Gasherd demontiert und ein E-Herd angeschlossen werden. Bei veralteten oder mangelhaften Installationen können zusätzliche Leitungen oder im ungünstigsten Fall eine Erneuerung der gesamten Elektroinstallation erforderlich sein.
Die Studie „Raus aus Kochgas“ zeigt die möglichen technischen Lösungswege und stellt einen Entscheidungsbaum zur Einschätzung des Aufwands bereit. Sie macht zudem deutlich, dass geeignete Lösungen vorhanden sind, der tatsächliche Aufwand und die Kosten jedoch stark von der jeweiligen Bestandssituation abhängen.
Betrieb & Optimierung
Wie kann das bestehende Heizsystem optimiert werden?
Bestehende Heizsysteme lassen sich oft effizienter betreiben und zugleich besser auf den Einsatz erneuerbarer Energien vorbereiten. Wichtige Ansätze sind der hydraulische Abgleich, eine datenbasierte Optimierung und eine verbesserte Regelung der Anlage.
Der Marktplatz „Optimierte Wärmeverteilung – Effizienz steigern, Kosten senken“ zeigt anhand von Fachinputs und Praxisbeispielen, wie sich der Energieverbrauch reduzieren, die Wärme gleichmäßiger verteilen und bestehende Systeme gezielt verbessern lassen:
Wie können bestehende Wohngebäude nachhaltig gekühlt werden?
Mit steigenden Temperaturen wächst auch der Bedarf an klimafreundlicher Kühlung. Gerade in bestehenden Wohngebäuden ist die Nachrüstung jedoch häufig mit technischen und baulichen Herausforderungen verbunden.
Die Veranstaltung „Kühlen ist das neue Heizen – nachhaltige Lösungen für den Bestand“ zeigt, welche erneuerbaren Kühllösungen bereits in der Praxis umgesetzt werden und welche Erfahrungen dabei gesammelt wurden. Im Mittelpunkt stehen konkrete Ansätze für eine effiziente und nachhaltige Kühlung von Bestandsgebäuden:
Was ist bei der Verrechnung von Wärme- und Kältekosten zu beachten?
Beim Umstieg auf eine erneuerbare Wärme- und Kälteversorgung stellt sich die Frage, wie Investitions- und Betriebskosten rechtskonform verrechnet werden können. Maßgeblich sind unter anderem die wohnrechtlichen Bestimmungen, das Heizkostenabrechnungsgesetz und das Energieeffizienzgesetz.
Das Rechtsgutachten „Verrechnung von Wärme- und Kälteversorgungskosten in einem wohnrechtlichen Kontext“ beantwortet häufige Fragen aus der Praxis und unterscheidet zwischen rechtlich gesicherten Regelungen und vertretbaren Lösungen, für die noch keine ausdrückliche Rechtsgrundlage oder gefestigte Rechtsprechung besteht.
Grafisch aufbereitete Fallbeispiele und konkrete Empfehlungen bieten Gebäudeeigentümer*innen, Immobilienverwaltungen und Planenden Orientierung bei der Konzeption, Umsetzung und dem späteren Betrieb erneuerbarer Wärme- und Kältesysteme.
